Bildgestaltung: Perspektiven und Blickwinkel in der Fotografie

Perspektiven wurden in der Fotografie aus der Malerei übernommen. Sie sind der Schlüssel zur räumlicher Darstellung und spielen bei Fotoaufnahmen eine sehr wichtige Rolle. Schon unsere Urmenschen haben Perspektiven in den Höhlenbilder eingesetzt um ganze Szenen zu beschreiben. Die Griechen und später die Römer haben perspektivische Verfahren auch technisch untersucht und entwickelt.

Eine fotografische Perspektive kann als räumliche Darstellung von Objekten beschrieben werden. Dabei ist das räumliche Verhältnis der Objekte zueinander und zum Standort des Betrachters relevant.  Durch die Veränderung dieses Verhältnisses wird auch die Perspektive verändert.

Dieses kannst du auf unterschiedliche Arten umsetzen und hat unterschiedliche Auswirkungen, hier zwei Beispiele:

  • Eine Verschiebung des Aufnahmepunktes (zum Beispiel wenn du dich mit der Kamera im Raum bewegst) führt dazu dass sich die Motive im Raum verschieben. Das eine wandert mehr nach außen, das andere rückt weiter vor und so kannst du für diese Aufnahme verschiedene Perspektive finden. Das ist der Grund warum Fotografen sich permanent bewegen: sie laufen um das Motiv herum, sie gehen in die Hocke oder legen sich sogar auf dem Boden.
  • Zoomen: durch das Zoomen wird wird nicht nur der Bildausschnitt verändert sondern auch die Brennweite und damit auch die Perspektive der Bildes. Eine kleine Brennweite, also ein Weitwinkel-Objektiv, lässt zum Beispiel Motive im Vordergrund größer erscheinen als die im Hintergrund und eine große Brennweite macht genau das Gegenteil. So scheint ein Gebirge im Hintergrund bei einer kleinen Brennweite klein, mit einem Tele-Objektiv jedoch groß.
Die Rote Schlucht in Rumänien mit einem Weitwinkelobjektiv
Die Rote Schlucht in Rumänien mit einem Teleobjektiv

Hinzu kommt dass wir in der Fotografie immer noch dreidimensionale Motive auf einer zweidimensionalen Fläche “konvertieren” müssen. Hier spielen räumliche Darstellungen und Perspektiven eine sehr wichtige Rolle.

Folgendes ist wichtig dass du verstehst: aus jedem Punkt im Raum in dem du die Kamera aufstellst bekommst du auch einen andere Perspektive!

Um jedoch die verschiedenen Wirkungen zu unterscheiden wurden Perspektiven in bestimmten Kategorien unterteilt. Folgende Kategorien sind am Anfang relevant:

1. Die Zentralperspektive

Das ist die normale Perspektive auf Augenhöhe. Diese Perspektive ist zum Beispiel in der Porträtfotografie sehr beliebt. In der normalen Perspektive werden Motive in ihrer natürlichen Größe empfunden und stellen so auch ein normaler Verhältnis im Raum zueinander dar.

Anfänger fotografieren unbewusst viele Bilder aus dieser Perspektive.

Tip: Versuche auch kleine Motive wie Kinder oder kleinere Tiere auf Augenhöhe zu fotografieren um zu vermeiden dass sie klein und unbedeutend wirken. Das bedeutet dass du bei Kindern immer in die Hocke gehen musst wenn du diese Perspektive erreichen möchtest. Bei kleinen Hunden zum Beispiel musst du dich fast hinlegen.

2. Die Froschperspektive

Die Froschperspektive ist eine Sicht von unten. Das beste bildliche Beispiel für diese Perspektive ist die Sicht eines Frosches. Dabei wirken in dieser Perspektive Motive im Vordergrund vor allem wenn sie mit einem Weitwinkelobjektiv aufgenommen werden sehr groß und mächtig, Motive im Hintergrund hingegen sehr klein.

Kleine Pfütze können in dieser Perspektive wie große Seen erscheinen. Diese Sicht bietet bei reflektierende Flächen schöne Nebeneffekte wie Reflektionen und Symmetrien.

Das hilft dir somit auch Spannung im Bild einzubauen.

3. Die Vogelperspektive

Die Sicht von oben wird gerne mit der Sicht eines Vogels verglichen, deshalb auch der Name. Heutzutage sind Luftaufnahmen mit Hilfe von Drohnen kleine große Hauptherausforderung mehr. Besonders cool finde ich die Aufnahmen senkrecht nach unten.

Aber du brauchst keine Drohne dafür, ein hohes Gebäude, ein Kirchturm, ein hohes Hotel reichen völlig aus. Neben Weitwinkel sind hierfür Teleobjektive besonders zu empfehlen. Damit kannst du verschiedenen Ausschnitte und Motive finden.

4. Kreative Perspektiven

Wie schon oben erklärt kannst du dich auf der Suche nach der perfekten Perspektive absolut frei im Raum bewegen. Dabei können in der Kombination der Position der Kamera und der Motive mit verschiedenen Brennweiten und Verzerrungen sehr kreative Perspektiven entstehen.

Du darfst hier auch gerne spielen und alles auszuprobieren. Die Analyse auf dem Rechner solltest du dabei nicht vergessen.

Versuche natürliche Rahmen zu finden in denen du das Hauptmotiv einbettest.

5. Die Luftperspektive

Die Luftperspektive ist eine Perspektive die ich sehr mag und die sich in meinen Bilder oft wiederfindet. Dabei geht es darum dass man einen dreidimensionalen Raum entstehen lässt indem du verschiedene Ebenen die sich in Kontrast und Helligkeit unterscheiden einbaust. Du lässt also einen Tiefen-Eindruck im Bild entstehen indem die dunkleren kontrastreiche Ebenen im Vordergrund heller und kontrastärmer in Richtung Hintergrund werden.

Auf meinen Bergtouren bekomme ich fast jedes Mal diese Perspektive vor die Linse. Ich verstärke diese mit einem Teleobjektiv indem ich nur einen bestimmten Bereich fotografiere und den Fokus gezielt auf diese Berg-Ebenen führe. Bei dieser Perspektive ist die Bildbearbeitung sehr wichtig. ich reduziere den Dunst, erhöhe den Kontrast und die Klarheit um den Effekt zu verstärken. Im Kapitel Bildbearbeitung schauen wir und das genauer an.

6. Die Farbperspektive

Die Farbperspektive sorgt ebenfalls für einen Tiefeneindruck der allerdings im Vergleich zu der Luftperspektive sich nicht aus unterschiedlichem Kontrast und Helligkeit aufbaut sondern durch Ebenen mit verschiedenen Farben. Dabei wird der Vordergrund meist in warme Farben wie Orange, Rot oder Braun, der Hintergrund in kalte Farben wie Blau oder Grün dargestellt. Idealerweise stellt der Mittelgrund einen Übergang dar.

Werden warme und kalte Farben eingebaut spricht man auch von einem Kalt-Warm-Kontrast. Diesen schauen wir uns im nächsten Kapitel genauer an wenn es um Kontraste in der Fotografie geht.

Glücklicherweise finden wir Farbperspektive in der Natur sehr oft vor. Die Erde ist ja braun/rötlich/orange und der Himmel blau. 

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