Der 180° Fotokurs – 04 – Bildausschnitt

Der richtige Bildausschnitt

Ein wichtiger Punkt in der Bildgestaltung ist der ideale Bildausschnitt. Jetzt gehen wir auf die verschiedene Formate, auf einige Fotografie-Regeln die einen direkten Bezug zum Bildausschnitt haben, und auf verschiedene Techniken des Zuschnittes ein. 

Das Hochformat vs. das Querformat

Eine alte Fotografie-Regel besagt, dass das Hochformat für Porträts und Querformat für Landschaftsfotos ist. Stimmt das eigentlich?

Generell schon, vor allem am Anfang kannst du dich gut daran orientieren. Mit der Zeit wirst du diese Regel brechen, oder brechen müssen. Wenn du zum Beispiel in Social Media aktiv bist, dann wirst du hier andere Regeln einhalten müssen: Facebook Post werden gerne in Querformat publiziert, Instagram Bilder hingegen in 1:1 oder 4:5 Hochformat, Pinterest hingegen so hoch wie es geht.  Das hat einen Einfluss auf deine Fotografie.

Aber unabhängig von Social Media kannst du Landschaften (je nach Motiv und Kontext) auch gerne im Hochformat aufnehmen. Das bringt vor allem Tiefe ins Bild und damit einen schönen 3D Effekt. Du darfst nie vergessen dass Fotos immer noch in 2D aufgenommen werden. Die meisten zumindest!

Ein Vordergrund Motiv ist bei Landschaftsfotos sehr wichtig um nicht langweilig zu wirken, bei solchen in Hochformat noch viel wichtiger. Ebenfalls solltest du verschiedenen Ebenen einbauen und diese Tiefe zu unterstützen. Mehrfache Bergketten, mehrschichtige Ebenen aus Wald, Meer, Berge, Himmel sind perfekte Motive für Landschaftsfotos in Hochformat.

Ebenso kannst du Porträts auch im Querformat fotografieren. Wenn du im Hintergrund eine schöne Landschaft, eine Stadt oder eine breite Struktur  einbauen möchtest, dann ist das Querformat perfekt. Gruppenporträts hingegen nimmst du standardmäßig im Querformat auf, es gibt aber Situationen in denen eine Menschengruppe vor einem Bergmassiv oder einer hohen Wolkenformation in Hochformat viel effektiver ist.

Mein Tip: nimm öfters in Hoch- und Querformat auf, du kannst diese Bilder später am PC in Ruhe analysieren, vergleichen und sortieren.

Die Drittelregel und der goldene Schnitt

Die Drittel-Regel ist die vereinfachte Form des goldenen Schnittes bei der die Bildlänge und Bildbreite in jeweils drei gleiche Teile geteilt werden. Das Ergebnis sind 9 gleiche Rechtecke und 4 Schnittpunkte. Diese Linien und deren Schnittpunkte markieren die Stellen wo du deine Motive setzen kannst um dein Bild interessanter zu machen und um den Blick des Betrachters zu lenken. 

Setzt du bei einem Landschaftsfoto zum Beispiel den Horizont auf die unterste horizontale Linie, dann stellst du den Himmel im Vordergrund. Bei schönen Wolkenstrukturen ist das sehr sinnvoll. Alternativ kannst du den Horizont auf die obere horizontale Trennlinie setzen, wenn du im Vordergrund ein schönes Motiv hast.

Motive wie Menschen, Bäume u.a. kannst du auf die Schnittpunkte der Linien setzen. Achte darauf dass Menschen immer ins Bild schauen und nicht nach außen. Das Bild wirkt dann ausgeglichen. Du kannst auch zwei verschiedene Motive auf zwei verschiedene Schnittpunkte setzen. Zum Beispiel eins im Vordergrund und das andere im Hintergrund. Achte darauf dass du diagonal gesetzte Schnittpunkte verwendest um ein schönes Gleichgewicht zu erhalten.

Der goldene Schnitt ist praktisch das gleiche wie die Drittelregel, jedoch mit anderen Maßen. Erklären kann man ihn ganz einfach mit einer mathematischen Formel die ein Foto in 9 Rechtecke unterteilt in dem jede Seite jeweils in einem Verhältnis von 38,2 % zu 61,8 % geteilt wird. 

Der goldene Schnitt
Die Drittel-Regel kannst du unabhängig vom Format einsetzen, sie funktioniert sowohl bei Hoch-, Quer- wie auch bei Quadratformat. 

Konkret bedeutet das: ausgehend von oben, unten, links und rechts musst du das Bild jeweils in diesem Verhältnis durch eine Trennlinie teilen. Das Ergebnis sind 4 Trennlinien und 4 Schnittpunkte im Bild. 

In der Praxis kannst du dir den goldenen Schnitt als Raster auf dein Kameradisplay oder in der Nachbearbeitung-Software einblenden lassen um dein Motiv daran einfach auszurichten. Es ist allerdings nicht wichtig die Motive immer haargenau im perfekten goldenen Schnitt zu setzen.

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Der goldene Schnitt hat eine starke Wirkung auf das, was der Mensch als ästhetisch schön und angenehm empfindet.

Mit der Zeit kommt das automatisch und du denkst nicht mehr drüber nach. Achte jedoch dass du nicht alles nur im goldenen Schnitt fotografierst. Variiere auch mal. Ich setze Motive gerne auch mittig-unten oder mittig-oben, versuche aber die genaue Mitte des Bildes zu vermeiden.

Zoomen und Croppen

Zoomen bedeutet für mich ein Motiv optisch näher heranzuziehen ohne dass die Auflösung leidet oder das Bild geschnitten wird. Digital zoomen wie zum Beispiel das Handys machen, ist für mich ein croppen und ähnelt einem croppen in der Software. 

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist 141-A6500-SEL55210-BW210-BL11-BZ8s-big.jpg
Der Mond mit 200mm Brennweite und stark ausgeschnitten
(Sony Alpha 6000 und Sony 55-210mm Objektiv)

Ich versuche generell möglichst viel Auflösung im fertigen Bild zu bekommen und versuche deshalb mit Festbrennweiten, Handys und Drohnen immer “mit den Füßen (bei Drohnen mit den Rotoren) zu zoomen”. Das croppen machen ich später immer in der Software.

Zoom-Objektive haben hier einen entscheidenden Vorteil indem sie optisch zoomen können und so eine große Flexibilität ermöglichen. Festbrennweiten bieten hingegen meistens eine bessere Qualität und halten den Körper fit. Du musst definitiv mehr laufen als mit einem Zoom. Aus meiner Sicht ergänzen sich Zoomobjektive und Festbrennweiten perfekt.

Der Zuschnitt in der Software

Den finalen Schnitt kannst du am besten in der Software machen. Hier bist du absolut flexibel denn bei den wenigsten Fotos ist der perfekte Bildausschnitt ein 3:2, 2:3, 4:3 oder 3:4. Dieser hängt vom Motiv ab.

Natürlich musst du manche Fotos in ein bestimmtes Format zwingen wenn du sie publizieren möchtest, das bedeutet aber nicht dass du immer nur eine Version deiner Bilder haben musst. Software wie Capture One oder Adobe Lightroom können beliebig viele virtuelle Kopien verwalten bei denen du unterschiedliche Einstellungen vornehmen kannst. Das RAW Bild bleibt hingegen physisch nur einmal gespeichert.

Den finalen Bildausschnitt musst du dir bei der Aufnahme schon vorstellen. Das braucht natürlich etwas Übung aber wenn du drauf hast dann kannst du deine Bildkomposition darauf ausrichten. 

Es gibt Situationen in denen das abgebildete Motiv in allen Richtungen perfekt symmetrisch ist. Ein 1:1 Format würde hier super passen, dieses musst du dir dann bei der Aufnahme schon vorstellen und die Bildkomposition auf die kleine Seite des Seitenverhältnisses ausrichten. Bei einem Hochkant Bild ist das die Breite, bei einem Querformat die Höhe.

Es macht aber durchaus Sinn verschiedene Kompositionen zu testen und dabei immer an den finalen Bildausschnitt zu denken. 

Mein Tip: Versuche am Bildrand immer etwas freien Raum zu lassen um später im finalen Schnitt mehr flexibilität zu haben. Manchmal ist der ideale Ausschnitt etwas versetzt als der bei der Aufnahme.

Die Umsetzung schauen wir im Bereich der Bildbearbeitung an, wichtig ist es hier dass du den finalen Schnitt bei der Aufnahme schon berücksichtigt.


Aufgaben für diese Woche

1. Nimm mehrere Fotos in Hoch- und Querformat auf

Diese Fotos werden wir später bearbeiten.

2. Nimm verschiedene Fotos in Hoch und Querformat und setze die Horizontlinie mal auf die oberste mal auf die unterste Trennlinie der Drittel-Regel.

Stelle dir das Gitter in deiner Kamera ein um dich leichter zu orientieren.

3. Nimm verschiedene Fotos in Hoch und Querformat und setze ein Motiv (eine Person, ein Tier, einen Baum, u.a.) auf die verschiedenen Schnittpunkte der Trennlinien

Stelle dir das Gitter in deiner Kamera ein um dich leichter zu orientieren.

4. Speicher die Fotos zur Analyse in einer Cloud

Speichere bitte deinen Fotos die du jetzt machst auf meinem Google Drive damit ich sie analysieren kann und eventuell Tipps geben kann.

Link: https://drive.google.com/drive/folders/1OLO0wwxHA_VuFoSvHS1kvU0fubVdKJUr?usp=sharing

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4 thoughts on “Der 180° Fotokurs – 04 – Bildausschnitt

  1. Hallo zusammen,
    gerade habe ich eine Auswahl zum Thema Bildausschnitt hochgeladen. Ich muss feststellen, dass ich überwiegend im Querformat fotografiere und mir der Aufbau nach der Drittelregel besser gefällt. Das Bild wirkt harmonischer.
    Da ich die Bilder fast immer im 3:2-Format entwickel, passt die Zuordnung der Motive auf die Gitterlinien nicht immer 100%-ig.
    Aber: Keine Regel ohne Ausnahme!

    Gruß, Bernd

  2. Einen guten Abend alle zusammen,

    ich war am Sonntag auf Fototour. Sonnenaufgang. 4h aufgestanden aber nach dem Fotografiern und den Bilder begutachten absolut glücklich:-). Hat Spaß gemacht. Und zwei neue Fotografen und deren spezielle Technik kennengelernt. Time laps, also kurze Zeitraffer-Videos aus den fotografierten Einzelbildern erstellen.

    Habe auch ein paar Hausaufgaben abhaken können. Fotos davon habe ich hochgeladen. Bis auf ein Foto mit Format JPG zum Vergleich, alles RAW (bei meiner Sony ARW) . Alle RAW-Fotos sind noch nicht entwickelt.
    Ich verwende je nach Situation auch gern Hochformat. Und das auch bei Landschaftsfotos. Und ab und zu auch mal das Motiv mitten in’s Bild.
    Bin schon auf die Meinung / Kritik gespannt.

    Viele Grüße
    Andrea

    .

  3. Hallo Volker, ich bin gerade dabei ein paar Fotos mit Horizontlinien herauszusuchen die ich die letzte Woche gemacht habe und stelle mir folgende Frage.
    Wie definierst du eigentlich Horizontlinie? Wo liegt diese, wenn der Blick durch Gebaude, Bäume oder Geländeerhebungen verdeckt ist? Kann man ein entfernt liegendes Ufer auch als Horizontlinie interpretieren?
    VG
    Ralph

  4. Hallo,
    leider war ich in der letzten Woche krank und konnte kaum vor die Tür. An dem einzigen Abend, den ich dann wieder raus konnte, hatte ich RAW an der Kamera deaktiviert. 🙁
    Ich lade trotzdem mal ein paar Fotos hoch.
    VG
    Ralph

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