Sigma 16mm F1.4 – lohnt sich das lichtstarke Weitwinkelobjektiv?

Volker RastelFotoausrüstung, FotografierenKommentar Aktualisiert: 14.01.2019

Sigma 16 F1.4 Objektiv für Sony E-Mount

Wer schon länger eine Sony Alpha 6000, eine Alpha 6300 oder eine Alpha 6500 der hat bestimmt lange auf gute lichtstarke Objektive gewartet die vom Preis nicht so hoch angesetzt sind, aber dennoch eine sehr gute Qualität liefern. Von Sigma gab es schon sehr gute und preisgünstige ART Objektive für Sony E-Mount Kameras, diese hatten jedoch eine offene Blende von 2.8. Die neue Contemporary Produktlinie, aktuell bestehend aus einem Weitwinkel Sigma 16mm F1.4 DC DN, einem Normalobjektiv Sigma 30mm F1.4 DC DN und einem leichtem Teleobjektiv Sigma 56mm F1.4 DC DN haben eine Blende von 1.4. Und das ermöglicht komplett neue Möglichkeiten mit den kleinen Sony APS-C oder Micro Four Thirds Kameras von Olympus und Panasonic.

Das Sigma 16mm F1.4 DC DN ist eine lichtstarkes Weitwinkel-Objektiv der Produktlinie Contemporary mit einer festen Brennweite von 16 mm. Umgerechnet auf Vollformat bedeutet das 24 mm bei Sony APS-C Systemkameras und 32 mm bei Micro Four Thirds Systemkameras. Es hat eine hohe Lichtstärke von 1.4, einen Schrittmotor für den Autofokus und ist staub- und spritzwassergeschützt.

Der Preis liegt derzeit bei unter 400€ und ist für die Verarbeitung und die Bildqualität  dieses Objektivs hervorragend.

Kann man nun sagen das dieses das perfekte Weitwinkel Objektiv für APS-C oder MFT Systemkameras ist? Ähm, nicht ganz. Es gibt ein paar Punkte die nicht perfekt sind, aber insgesamt ist es nahe dran.

Man muss auch erwähnen dass die Contemporary Produktlinie von Sigma nicht die Top Linie ist. Das spiegelt sich auch im Preis wieder. Und, ob dieses Weitwinkel Objektiv auch für dich auch top ist, hängt natürlich auch von deinen Einsatzbereiche ab. Als Portraitobjektiv ist es zum Beispiel nur bedingt einzusetzen 🙂

Produktbezeichnung16mm F1,4 DC DN | Contemporary
VerwendungszweckLandschaft, Available Light, Architektur
ObjektiveigenschaftenDC, DN, IF, ASP
KameraanschlussMicro Four Thirds, Sony E-Mount
Brennweite16 mm
Lichtstärke / BlendeF 1,4 – 16
Naheinstellgrenze25 cm
Filterdurchmesser67 mm
Abmessungenca. 72,2 x 92,3 mm
Gewicht405 g
spritzwassergeschütztja
optische Stabilisierungnein
Preis auf Amazonca. 380€ (prüfe hier den aktuellen Preis)

Die Einsatzbereiche des Sigma 16mm F1.4

Grundsätzlich ist ein Weitwinkel-Objektiv primär unter anderen für Landschafts- und Architekturfotos gedacht. Umso lichtstärker das Objektiv ist, desto besser funktioniert es bei schwierigen Lichtverhältnisse. Das bedeutet aber nicht dass ein lichtstarkes Weitwinkel-Objektiv nicht auch für Ganzkörper-Portraits bei gutem Licht genutzt werden kann.

Landschaftsfotografie

Die Landschaftsfotografie ist der Bereich für den ich eigentlich dieses Objektiv gekauft habe. Ich bin oft in den Bergen unterwegs, dabei versuchen immer bei Sonnenuntergang auf der Spitze zu sein um das Panorama bei bestem Licht zu fotografieren. Meistens klappt es auch. Im Winter jedoch kann es mal vorkommen dass wir erst in der blauen Stunde oben sind. Hier hilft dann nur noch ein lichtstarkes Objektiv oder ein Stativ. Da mir das letztere etwas manchmal umständlich ist, ziehe ich oft die erste Variante vor. Viel Zeit zum Fotografieren habe ich allerdings nicht, da wir wieder runter müssen.

16 mm Brennweite ist bei meiner Sony Alpha 6500 manchmal etwas zu wenig um eine große Berg-Panorama aufzunehmen, aber diese Fälle sind bei mir eher selten. Wenn genug Licht ist, setze ich mein Sony SEL1018 Ultra-Weitwinkelobjektiv auf die Kamera drauf. Ansonsten nehme mehrere Fotos auf, die ich im Nachgang zu einem Panorama zusammen führe. Das Ergebnis sind hochauflösende 50MP+ Fotos.

Architektur

Für Architektur-Nachtfotos ist das Sigma 16mm F1.4 perfekt. Motiv anvisieren und klick, aus der Hand. Tagsüber jedoch nehme ich mein Sony SEL1018. Doch das Ultra-Weitwinkel verzerrt ab einem gewissen Weitwinkel, und das stört mich. Architekturen werden oft von unten fotografiert, und bei 10mm ist die Verzerrung am Rande so stark dass ich das meistens lasse. Manchmal gehe ich, wenn möglich einige Schritte zurück und setze dann doch mit dem Sigma Objektiv drauf.

Gruppenfotos

Das Sigma 16mm F1.4 ist ideal für Gruppenfotos. Es hat die perfekte Brennweite um mal auch etwas näher an die Gruppe zu gehen. Vor allem in dem Morgen- und Abendstunden, wenn das Licht schön weich ist kann man damit perfekte Fotos machen. Etwas abgeblendet, zum Beispiel bei Blende 1.8 oder 2.0 bekommt man sogar scharfe freigestellte Motive.

Bei Gruppenfotos solltest du jedoch Personen nicht gerade am Rande des Bildes positionieren. Diese werden ansonsten gestreckt. Lieber etwas mehr von der Umgebung aufnehmen und im Nachgang schneiden.

Portraits

Für Ganzkörper- oder Teilkörper Portraits macht es ebenfalls einen guten Job. Vor allem wenn neue Effekte und andere Perspektiven getestet werden sollen ist es wirklich zu empfehlen. Für Gesichts-Portraits eher weniger. Weitwinkel-Objektive lassen Objekte oder Bereiche die im Vordergrund stehen groß erscheinen. Bei Gesichter macht es keine Ausnahme und lässt die Nase zum Beispiel größer wirken. Ein Effekt der nicht unbedingt gewünscht ist.

Indoor Fotografie

Diese Objektiv ist exzellent für dunkle Indoors Fotos geeignet. In Museen, in Clubs, auf Partys, bei Konzerten, u.s.w. wirst du mit diesem Objektiv richtig viel Spaß haben. Vor allem wenn du in RAW fotografierst, kannst du im Nachgang noch vieles rausholen. Aber, dieses Objektiv ist nicht stabilisiert und es kann zu verwackelte Fotos führen. Eine InBody-Stabilisierung wie bei der Sony Alpha 6500 ist da eine gute Unterstützung.

Produktfotografie

In der Produktfotografie, speziell für größere Produkte wie Fahrzeuge ist das Sigma 16mm F1.4 zu empfehlen. Bei Blende 8.0 ist es richtig scharf. Für kleine Produkte könnte der Weitwinkel-Effekt kontraproduktiv sein. Je nachdem was mit dem Produkt suggeriert werden soll. Aber man kann mit diesem Objektiv gezielt besondere, einzigartige Effekte erzielen. Zum Beispiel eine extremes Größenverhältnis zwischen einem Vordergrund Motiv und einem Hintergrundmotiv.

Die Eigenschaften des Sigma 16mm F1.4

Vorab schon: ich bin kein Pixelzähler und teste nicht im Labor. Mich interessiert eher das generelle Ergebnis, die Handhabung, Ergonomie. Ich schaue mir vor jedem Kauf verfügbare Labortests an um vorab schon auszufiltern.

Die Schärfe ist bei Blende 8.0 exzellent, offenbleding musst du allerdings am Bild Rande mit Unschärfe rechnen

Bei offener Blende von 1.4 sind die meisten Objektive, insbesondere in dieser Preisklasse vor allem am Bild Rande nicht sehr scharf. Das Sigma 16mm F1.4 macht hier keine Ausnahme. Selbst etwas abgeblendet 1.8 oder 2.0 ist es immer noch nicht ganz scharf.

Aber bei hoher Blende ist der Hintergrund eh unscharf und mich persönlich stört es nicht. Meine Motive sind bei offener Blende relativ zentral im Bilde, oder im goldenen Schnitt, und unscharfe Ränder fallen mir gar nicht auf :/

Dafür bringt es bei Blende 8.0 ein sehr scharfes Bild zustande.

Der (Auto)Fokus überzeugt

Der Fokus arbeitet bei der Sigma 16mm F1.4 etwas anderes. Er wird beim manuellen Fokussieren elektrisch auf einem Schrittmotor übersetzt und ist somit kein mechanischer Fokus. Am Anfang ist es etwas gewöhnungsbedürftig.

Der Autofokus arbeitet beim Fotografieren sehr gut. Bei Videoaufnahmen allerdings sitzt er manchmal nicht ganz so perfekt wie Sony Objektive, ist aber immer noch sehr gut und schnell.

Keine Stabilisierung, nicht ideal beim Filmen ohne In Camera Stabilisator

Videoaufnahmen mit einer Sony Alpha 6000 oder Alpha 6300 und einem Sigma 16mm F1.4 ist nicht sehr empfehlenswert. Es ruckelt. SIcher kann es in der Nachbearbeitung noch stabilisiert werden, aber das ist zeitaufwändig.

Mit einer Sony Alpha 6500 ist das Objektiv extrem gut und die Brennweite passt für viele Einsatzzwecke. Für Vlog-Videos ist das Objektiv auch sehr gut weil es das Motiv bei Blende 1.4 schön freigestellt wird. Man darf nur nicht zu nahe kommen um eine extrem großes Gesicht im Video zu vermeiden.

Eine gute Größe und Gewicht

Das Sigma 16mm F1.4 ist nicht kleine und mit 400g auch nicht das leichteste. Aber kein wunder, es hat 16 Elemente in 13 Gruppen. Das Sony 16 F2.8 hat hingegen nur 5 Elemente in 5 Gruppen. Auf einer Sony Alpha 6000 Systemkamera oder größer passt das Objektiv jedoch von der Größe und der Balancierung sehr gut. Für kleine Kameras hingegen ist es etwas groß.

Das Filtergewinde vorne von 67mm ist sehr gängig, Filter sind nicht sehr teuer.

Staub und Spritzwasser, nicht selbstverständlich

In der Preisklasse sind viele Objektive nicht Staub und Spritzwasser geschützt. Sigma macht hier eine Ausnahme was insbesondere im Außenbereich sehr hilfreich ist. Ich gehe allgemein nicht sehr zimperlich um mit der Fotoausrüstung um, für mich muss sie einiges aushalten. So lege ich auch darauf wert dass die Teile die viel auch draußen genutzt werden Staub und Spritzwasser geschützt sind.

Dieses Objektiv kommt oft auch in den Bergen, bei Schnee und Regen zum Einsatz. Bis jetzt kann ich nichts negatives berichten.

Wenn du zum Thema „Kamera vor Sand und Staub schützen“ mehr erfahren möchtest dann schau dir meinen Artikel hier an.

Alternativen

Das Sigma 16 mm F1.4 ist sicherlich nicht konkurrenzlos. Vor allem für MFT System Kameras gibt es von Olympus und Panasonic sehr gute Objektive in diesem Bereich. Für Sony APS-C Systemkameras hingegen gibt es meiner Meinung nach keine große Alternativen. Dazu zähle ich Das Sony 10-18 als Ergänzung und weniger als Konkurrenz.

Sigma 16mm F1.4 vs Samyang 12mm F2.0

Das Samyang 12 mm F2.0 ist vor allem in der Astrofotografie Szene sehr bekannt und begehrt. Es ist die perfekte Brennweite dafür und ist sehr scharf. Die Belichtungszeit von 27,7 Sekunden beim Samyang Objektiv sind ebenfalls besser als 20,8 Sekunden beim Sigma bevor die Sterne anfangen wie Linien zu wirken. Dieser Wert ergibt sich auch der Division von 500 durch die Brennweite. Allerdings ist das Samyang ein manuelles Objektiv, das bedeutet dass es für schnelle Videoaufnahmen oder auch Fotos eher ungeeignet ist.

Dafür ist das Sigma 16 mm F1.4 mit einer hören Blende und einem Autofokus ausgestattet. Für normale Landschafts- oder Architekturfotos scheinen die 16 mm weniger Verzerrungen aufzuzeichnen weil diese Brennweite näher am 35 mm Standard liegt.

Sigma schneidet auch beim Fotografieren direkt in der Sonne beziehungsweise beim Sonnenstern besser ab. Da das Sigma 16 mm nicht viel mehr kostet als das Samyang, würde ich dieses vor allem Anfänger eher empfehlen als ein manuelles Objektiv. Liegt der Fokus hingegen auf Astrofotografie dann eher das Samyang. Eine manuelle Fokussierung in diesem Bereich ist eh notwendig.

Sigma 16mm F1.4 vs Sigma 19mm F2.8

Der Unterschied zwischen diesen beiden Objektive liegt ganz deutlich in der Brennweite und in der Lichtstärke. Preislich liegt das Sigma 16mm F1.4 fast doppelt so teuer als das Sigma 19mm F2,8

Das Sigma 16 mm ist deutlich schärfer und lichtstärker. Deshalb ist das Sigma 16 absolut meine Empfehlung hier. Das 19 mm macht eventuell Sinn wenn du es mit einem Unterwassergehäuse für Unterwasserfotografie verwenden möchtest. Da es deutlich kleiner ist gibt es vermutlich mehr Auswahl an Gehäuse.

Sigma 16mm F1.4 vs Sony 16mm F2.8

Wer ein sehr kleines Weitwinkel-Objektiv braucht und einer guten Lichtstärke der ist bei Sony fündig. Für ca. 250€ ist das Sony 16mm F2.8 es relativ günstig und bringt eine ordentliche Qualität.

Doch, das Sigma 16 mm fist eindeutig schärfer, hat mehr Kontrast und ist lichtstärker als das Sony. Wer auf Qualität setzt und etwas mehr Geld ausgeben möchte der greift zu Sigma. Ein kompletter Bericht mit Beispielbilder kannst du hier sehen.

Sigma 16mm F1.4 vs Olympus 17mm F1.8

Das Sigma 16 mm F1.4 ist deutlich größer und schwerer als das Olympus 17 mm F1,8. Dafür ist es etwas günstiger und hat eine größere Lichtstärke. Qualitativ unterscheiden sich diese beiden Objektive nicht sehr stark. Sie haben fast die gleiche Brennweite, der Autofokus ist ähnlich.

Wer unbedingt ein kleineres Objektiv braucht, der kann auf Olympus 17 mm zugreifen ansonsten ist das Sigma 16 mm eher zu empfehlen.

Sigma 16mm F1.4 vs Olympus 17mm F1.2

Wer eine Olympus oder Panasonic Kamera besitzt der kann natürlich das Olympus 17 mm F1.2 kaufen. Eine Blende von 1.2 im Weitwinkelbereich ist großes Kino. Ich hab dieses Objektiv selber eine längere Zeit getestet und es hat mich wirklich sehr beeindruckt.

Aber das Olympus Objektiv kostet schon mal das dreifache im Vergleich zum Sigma. Es ist sogar deutlich teurer als eine Sony Alpha 6000 Kit + Sigma 16mm F1.4.

Sigma 16mm F1.4 vs Panasonic 15mm F1.7

Das Panasonic 15mm F1.7 ist um einiges kleiner und leichter als das Sigma 16 mm F1.4. Dafür ist sie um ca. 100€ teurer und soll deutlich schärfere Fotos im Radbereich bei offener Blende machen.

Keine einfache Entscheidung. Vermutlich greifen Panasonic Nutzer eher zum Panasonic 15mm

Fazit

Das Sigma 16mm F1.4 ist für Landschafts- oder  Architekturfotografen die mit einer Sony APS-C Systemkameras fotografieren ein absolutes Muss. Es ist nicht perfekt, aber hat eine exzellentes Preis-Leistungsverhältnis. Auf einer stabilisierten Fotokamera ist sie für Videos ebenfalls sehr zu empfehlen.

Neben meinen beiden Zoomobjektive Sony 10-18 F4 und Sony 18-105 F4, nutze ich dieses Objektiv sehr gerne und sehr oft. Ich möchte es nicht missen.

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